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Sexuell übertragbare Krankheiten (STI) |
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Bakterien:
Viren:
Parasiten:
Pilze:
Durch Bakterien verursachte Erkrankungen
Name: Treponema pallidum
Erkrankung: Syphilis, Lues, harter Schanker
Übertragung: Normalerweise durch vaginalen, analen oder oralen Sexualverkehr, auch bei gleichgeschlechtlichem Schleimhautkontakt. Während der Schwangerschaft kann der Erreger auf das Kind übertragen werden. Wird die Krankheit nicht korrekt behandelt, kann die Person auch nach dem Abklingen der Symptome andere anstecken. Unbehandelt kann die Syphilis Jahre später das Hirn befallen und zu Lähmungen führen. In der Schwangerschaft führt sie zu Missbildungen beim Kind.
Beschwerden: Gleich bei Frau und Mann
Stadium 1: Einige Wochen nach der Übertragung macht sich die Syphilis durch Geschwüre (schmerzloser, harter Ulcus=Harter Schanker) an Scheide oder Penis bemerkbar, seltener auch an Mund oder Anus; die Lymphknoten schwellen an. Weil die Geschwüre schmerzlos sind und wieder verschwinden, werden sie oft übersehen. Die austretende Flüssigkeit ist hochgradig ansteckend. Bei rund 1/4 der Betroffenen entwickelt sich einige Wochen später das Stadium 2 mit Hautausschlägen am ganzen Körper (=Syphilliden) und/oder grippeähnlichen Symptomen. Die Flüssigkeit in den Hautläsionen ist ebenfalls ansteckend. Wenn diese Symptome abgeklungen sind, bleibt die Krankheit latent im Körper (Milz und Lymphknoten). Nach Monaten bis Jahren latenz: Übergang ins Stadium 3. Typisch ist das Auftreten von Granulomen mit zentraler Verkäsung (=Gummen); in fast allen Organen möglich (u.a.: Haut, ZNS).
Weiteres: Treponema pallidum ist ein mikroskopisch nicht anfärbbarer Spirochäte, umweltlabil und in vitro nicht anzüchtbar. Safer Sex aufgrund der Anti-Aids-Kampagnen hat auch zu einem Rückgang der Syphiliserkrankungen geführt.
Lues connata: Ab dem 4. SS Monat ist eine diaplazentäre Ansteckung möglich. Falls kein Abort erfolgt, sind beim Ungeborenen Blindheit, Taubheit, Skelett- und Zahndeformitäten mögliche Folgen.
Syphilis ist anonym Meldepflichtig.
Therapie: Die Syphilis lässt sich mit Antibiotika leicht heilen, wenn früh genug therapiert wird.
Mittel der Wahl: Penicillin G (bei Allergie: Tetracycline oder andere), cave: Herxheimer-Reaktion
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Name: Neisseria Gonorrhoeae
Erkrankung: Gonorrhoe, Tripper
Übertragung: Durch vaginalen oder analen Sexualverkehr oder auch beim Kontakt von Mund mit Scheide oder Mund mit Penis. Das Bakterium lebt auf den Schleimhäuten des Gebärmutterhalskanals und der Harnröhre und kann dort bleiben, ohne Symptome zu verursachen. Bei der Geburt kann das Kind durch die Mutter angesteckt werden (Augeninfektion beim Kind).
Beschwerden: Bei Nichtbehandlung kann es zu Komplikationen kommen, wie z.B. Unterleibsentzündungen mit Unfruchtbarkeit als Folge, Gelenksentzündungen, Herzprobleme. Gelegentlich liegen Doppelinfektionen mit Chlamydien vor.
Frauen: Die Infektion verläuft oft symptomlos oder unter leichten, vorübergehenden Symptomen und wird nicht erkannt. Möglich sind: leichtes Brennen beim Wasserlassen, grün-gelblicher Ausfluss aus der Scheide, Jucken und Brennen in der Harnröhre, evtl. Beschwerden beim Stuhlgang, Unterleibsschmerzen und unregelmässige Menstruation.
Männer spüren den Tripper wenige Tage nach der Übertragung; Brennen und Jucken beim Wasserlösen und eitriger Ausfluss aus der Harnröhre.
Weiteres: Grampositive Kokken mit Polysaccharidkapsel, welche die Schleimhäute
befallen und zu einer eitrigen Entzündung führen.
Der Infekt kann übersehen werden und, nicht behandelt, beim Neugeborenen
zum Erblinden führen.
Cave: Symptomlose Frauen können unwissentlich Träger sein (Ping-Pong-
Effekt, Partner immer mitbehadeln).
Therapie: Tripper ist mit Antibiotika leicht zu behandeln. Die Therapie sollte früh
beginnen. Mittel der Wahl: Cephalosporine der 2. /3. Generation
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Name: Chlamydia trachomatis
Erkrankung: Chlamydieninfektion, -urethritis, Lymphogranuloma inguinale
Übertragung: Durch vaginalen oder analen Sex; weniger häufig durch oralen Sex.
Übertragung bei Geburt auf das Neugeborene ist möglich
Beschwerden:
Frauen: Die Infektion verläuft oft ohne Symptome. Wenn Beschwerden
auftreten, so sind das Ausfluss aus der Scheide, Brennen und Schmerzen beim
Wasserlassen, undeutliche Unterleibsschmerzen, Zwischenblutungen.
Männern: Symptome beinhalten: Ausfluss aus der Harnröhre, Brennen beim
Wasserlassen.
Weiteres: Chlamydien sind obligat intrazelluläre Erreger (Antibiotikawahl!)
Der Infekt kann bei Neugeboren (Neugeborenenkonjunktivitis) und seltener bei Erwachsenen (Schwimmbad-Konjunktivitis) zum Erblinden durch narbige Gewebsveränderungen führen.
Eine der häufigsten Genitalinfektionen. Nichtbehandlung kann zu Komplikationen führen, im Sinne von Unterleibsentzündungen, die Verwachsungen zur Folge haben können, welche Beschwerden und Sterilität bei Frau und Mann zur Folge haben können
Therapie: Wenn Chlamydien frühzeitig erkannt werden, sind sie gut mit Antibiotika heilbar.
Mittel der Wahl: Tetrazykline
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Name: Gardnerella vaginalis
Erkrankung: Vaginose, unspezifische Scheidenentzündung
Übertragung: Die Infektion erfolgt häufig spontan. Die Übertragung durch Sexualkontakte ist noch nicht geklärt.
Beschwerden:
Nur Frauen: Cremefarbener bis bräunlicher, blasiger Ausfluss aus der Scheide, der unangenehm fischig riecht. Selten Jucken, Brennen oder
Schmerzen. Die Symptome sind abhängig von der natürlichen Abwehrlage der Scheide.
Weiteres: Gramnegatives Stäbchen, Klassifikation noch in Diskussion.
Normalerweise Behandlung mit Antibiotika, bzw. Antiinfektiva. Oft wiederkehrendes Auftreten trotz medikamentöser Behandlung, aber auch spontanes Verschwinden möglich. Komplementärmedizinische Behandlungen sind möglich. Gelegentlich treten trotz Gardnerella-Befall der Scheide überhaupt keine Beschwerden auf. In diesen Fällen erfolgt keine Behandlung.
Mittel der Wahl: Metronidazol
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Name: Hämophilus Ducreyi
Erkrankung: Ulcus molle, weicher Schanker
Übertragung: Eine in tropischen Ländern verbreitete, v.a. sexuell übertragene
Infektionskrankheit (Urlaubskrankheit).
Beschwerden: Frau und Mann: Die Krankheit beginnt mit oft mehreren sehr schmerzhaften Ulcera im Genitalbereich. Der Ulcusgrund ist von weicher Konsistenz. Es folgt eine schmerzhafte, regionäre Lymphadenopathie. Die Lymphknoten der Inguina sind stark geschwollen und gerötet mit Neigung einzuschmelzen und zu fistulieren.
Weiteres: gramnegative Stäbchen; keine dauerhafte Immunität.
Mittel der Wahl: Erythromycin
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Name: Mykoplasma hominis und Ureaplasma urealytica
Krankheit: Infektionen des Genitaltraktes
Übertragung: nicht ganz geklärt; U. urealytica: kann u.a. während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden (chronische Infekte des ZNS beim Neugeborenen)
Beschwerden:
Frau: Wässeriger Ausfluss bei einer Cervizitis oder Salpingitis
Mann: Urethritis und Prostatitis mit entsprechenden Symptomen
Weiteres: Mykoplasma hominis und Ureaplasma urealytica sind obligat intrazelluläre Bakterien, noch wenig erforscht; anscheinend oft symptomlose Träger
Mittel der Wahl: Tetrazykline, z.T. Erythromycin
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Durch Viren verursachte Erkrankungen
Name: Hepatitis A-, B-, C-, D-, E-, F-Virus (HAV, HBV, HCV, HDV, HEV, HFV)
Erkrankung: Hepatitis A (=Muschelgelbsucht), B (=Serumgelbsucht), C, D, E, F, Leberentzündung (Gelbsucht ist manchmal ein Symptom der fortgeschrittenen Hepatitis)
Übertragung: Für Hepatitis A und E gelten andere Übertragungswege als für B, C, D und F. Hepatitis D tritt nur gleichzeitig mit B auf, oder wenn jemand chronisch mit B infiziert ist.
Hepatitis A und E werden fäko-oral übertragen, also durch Schmierinfektionen und schlechte Hygiene (verunreinigte Nahrungsmittel oder Trinkwasser auf Reisen), bei oral-anal-Sex oder durch unsauberes Spritzenbesteck und Wasser bei Drogeninjektion. Hepatitis E ist für schwangere Frauen sehr gefährlich (20% Letalität!).
50% der Hepatitis B, C, D und F werden durch Sexualverkehr (vaginal, anal oder oral) übertragen, die anderen 50% durch Blut-zu-Blut-Kontakt (Tausch des Spritzenbestecks bei Drogeninjektion) sowie bei der Geburt von der Mutter auf das Kind.
Beschwerden: Frauen und Männer: Die akute Hepatitis zeigt unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen und Fieber. Bei einem Teil der infizierten tritt eine Gelbsucht auf. Die akute Krankheitsphase dauert vier bis acht Wochen. Selten kommt es bei schweren Verläufen zu Leberversagen. Bei einem Teil der Patienten geht die akute Phase in eine Chronische Hepatitis über, die wiederum bei einigen Patienten zu einem Leberzelltumor führen kann. Es gibt auch Virusträgerinnen und -träger, die keine Symptome haben, trotzdem aber andere anstecken können. Hepatitis F verläuft wie ein HBV-Infekt, aber langsamer und nur schlecht diagnostizierbar.
Therapie: Es können nur die Symptome behandelt werden. Neben der ärztlichen Behandlung helfen körperliche Schonung, ausgewogene Ernährung, kein Alkohol. Chronischen Hepatitis: in gut 1/3 der Fälle bringt die 6 monatige, aufwendige Interferon-alpha-Therapie Linderung. Über weitere Behandlungsmöglichkeiten: siehe Lehrbücher der Inneren Medizin.
Weiteres: HAV, HCF, HDV, HFV und HEV sind RNA-Viren. HBV ist ein DNA-Virus.
Hepatitis B ist ein hochinfektiöses Virus; kleinste Mengen genügen und sind auch noch nach Tagen an der Luft ansteckend (im Gegensatz z.B. zu HIV, das an der Luft schnell kaputtgeht). Das Virus selber ist nicht zytopathogen. Das Krankheitsbild entsteht, weil körpereigene Immunzellen befallene Leberzellen angreifen.
Die Hepatitis A heilt völlig aus und hinterlässt einen lebenslangen Schutz. Menschen mit Hepatitis A sind nur während der akuten Infektion ansteckend. Die Hepatitis B, C und D können spontan heilen. Sie können aber auch chronisch verlaufen und nach Jahren zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen. Hepatitis C wird häufiger chronisch als B. Menschen mit einer chronischen Hepatitis B, C oder D bleiben dauernd ansteckend. Gegen Hepatitis A und B stehen je eine aktive und eine passive Impfung zur Verfügung; die Impfung gegen Hepatitis B schützt auch gegen Hepatitis D. Gegen Hepatitis C gibt es keinen Impfschutz. Hepatitis F ist noch wenig erforscht.
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Name: Herpes simplex, Typ 1 + 2 (HSV-1, HSV-2)
Erkrankung: Herpes labialis, Herpes genitalis, andere Herpes-Infektionen
Übertragung: Die Ansteckung erfolgt beim Sex oder beim Küssen durch Kontakt mit Herpesbläschen oder -geschwüren. Frauen können das Virus bei der Geburt auf ihr Kind übertragen.
Beschwerden: Oft aber nicht immer bilden sich wenige Tage nach der Übertragung bei der Frau an den Schamlippen oder in der Scheide, beim Mann am Penis (und bei beiden möglich: im Mund oder am Darmausgang) kleine Bläschen, die platzen; dann ist die Ansteckungsgefahr am grössten. Nachher entsteht ein schmerzhaftes Geschwür, das dann verkrustet. Die Abheilung dauert bis zu zwei Wochen. Nach der Infektion bleiben die Viren lebenslang im Körper und können immer wieder von neuem Geschwüre bilden, ausgelöst durch Sonne, Stress, Menstruation, usw. So kann das Virus ein Leben lang auf die Partnerin oder den Partner übertragen werden. Virusausscheidungen sind auch ohne sichtbare Läsionen möglich. Gefährlich sind perinatale Infekte (Neugeborenensepsis mit hoher Letalität), der Befall der Augen (Keratikonjunktivits mit Erblindungsgefahr) und der Befall des ZNS (Encephalitis). Schwere Verläufe und gehäufte Infekte finden sich bei immundefizienten Personen.
Weiteres: HSV-1 und HSV-2 sind doppelsträngige DNA-Viren. HSV-1 verursacht vor allem Infekte im Gesicht und am Ohr, HSV-2 solche im Genitalbereich. Herpesviren sind weit verbreitet. 90% der Erwachsenen sind Träger von HSV-1, 20% von HSV-2.
Therapie: Herpes kann nicht geheilt werden und Rückfälle lassen sich oft nicht vermeiden. Es gibt aber Medikamente gegen das Virus, die den Ausbruch vermindern und die Abheilung beschleunigen. Komplementärmedizinische Behandlungen sind möglich.
Mittel der Wahl: Symptomatisch, evtl. Acyclovir, keine Impfung möglich
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Name: Human Papilloma Virus (HPV)
Erkrankung: Feigwarzen / Kondylome
Übertragung: Die Übertragung erfolgt gehäuft bei Verletzungen der Haut und Immunsuppression, via Hautkontakt (v.a. sexuell durch ungeschützten Vaginal- und Analverkehr), durch Autoinokulation (Kratzen) und Schmierinfektionen.
Beschwerden: Unterschiedlich grosse Warzen, die bei der Frau an Schamlippen, in der Scheide, am Gebärmutterhals und bei Männern am Penis wachsen oder an Anus (z.T. sehr unangenehm oder schmerzhaft) auftreten. Wenn sie die Harnröhre befallen, können die Warzen zu blutigem Urin führen. Bei der Frau werden Feigwarzen in der Scheide oft nicht bemerkt.
Weiteres: Von den humanpathogenen HP-Viren gibt es zahlreiche Genotypen. Einige dieser Viren gelten als Zusatzfaktoren bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs; deshalb ist ein regelmässiger Zellabstrich des Gebärmutterhalses wichtig (Jahreskontrolle). Wird das HPV beim Abstrich festgestellt, sind je nach Virustyp kurzfristigere Kontrollen notwendig.
Therapie: Warzen können durch Brennen, Vereisen, Ausschneiden oder mittels Laser entfernt werden. Nur die Auswirkungen des Virus können behandelt werden, das Virus selber bleibt im Körper. Komplementärmedizinische Behandlungen sind möglich.
Mittel der Wahl: Mechanisches Entfernen der Warzen, evtl. Keratolyse und lokale Virostatika
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Name: Molluscum contagiosum
Erkrankung: Dellwarzen (Keine Sexualkrankheit!)
Übertragung: Die Übertragung erfolgt via Hautkontakt, auch sexuell, durch Autoinokulation (Kratzen) und Schmierinfektionen.
Erkrankung: Frauen und Männer: Überall auf der Haut mit Ausnahme der Fussohlen und Handinnenflächen können sich kleine, weissliche, schmerzlose Knoten (=Dellwarzen, derbe bis erbsengrosse Papeln mit zentraler Delle und krümeligem Inhalt) bilden, die nur die Epidermis betreffen und in der Regel nach mehreren Monaten von selbst wieder verschwinden. Am häufigsten betroffen sind Kinder.
Weiteres: Molluscum contagiosum ist ein DNA-Virus.
Therapie: Mechanisches Entfernen der Warzen, Keratolyse
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Name: Human Imunodeficiency Virus (HIV)
Erkrankung: HIV-Infektion, Spätstadium=Aids
Übertragung: Für eine Infektion braucht es virenhaltige Flüssigkeit und eine Eintrittspforte in den Körper. Das HI-Virus kann (in verschiedenen Konzentrationen) in praktisch allen Körperflüssigkeiten und –geweben nachgewiesen werden. Dabei gilt: je höher die Konzentration, desto höher das Ansteckungsrisiko. Da es weltweit keine/kaum belegte Fälle für eine Ansteckung über Schweiss, Speichel, Tränen und Urin gibt, gelten diese als nicht ansteckend. Anders sieht es aus bei Blut und nicht sterilisierten Blutprodukten, Sperma, Vaginalsekret und Muttermilch. Auch Menstruationsblut ist ansteckend. Die intakte Haut bildet eine wirkungsvolle Barriere. Das Virus vermag aber einzudringen bei Stich- und Schnittverletzungen, via die orale, vaginale und anale Schleimhaut, beim Stillen und bei der Geburt.
Im Klartext heisst das:
unsicher sind:
- ungeschützter analer oder vaginaler Geschlechtsverkehr, also Geschlechtsverkehr ohne Kondom
- oraler / vaginaler / analer Kontakt mit Ejakulat/Sperma des Mannes
- oraler / vaginaler / analer Kontakt mit Menstruationsblut der Frau
- Verletzungen mit Nadeln, Messern, etc. die mit HIV-positivem Blut kontaminiert sind (serologisches Fenster beachten!)
- Tausch von Spritzen beim intravenösen Drogenkonsum
- sexuelle Praktiken, bei denen Blut fliesst
- normale Geburt und Stillen, wenn die werdende Mutter HIV-positiv ist
- gegenseitiger Austausch (ohne Desinfektion) von Sex-Toys, die in Vagina oder Anus eingeführt werden
- gemeinsames benützen von Zahnbürsten, gebrauchten Rasierutensilien, Zahnstochern, etc.
sicher sind:
- Küssen, auch Zungenküsse
- gemeinsames Benutzen von Toiletten, Bädern (auch gemeinsames Baden), Saunabesuche
- Insektenstiche
- Husten, Niesen, dasselbe Geschirr benutzen
- die Pflege von an Aids erkrankten Menschen
- Tätowieren und Piercen, falls sterile Nadeln verwendet werden
Safer Sex bedeutet: Das alleinige betreiben von Sexualpraktiken, die als sicher gelten:
- Geschlechtsverkehr ausschliesslich mit Kondom
- Kein Sperma in den Mund nehmen
- Streicheln, Küssen, etc.
- keine ungeprüften, billigen Kondome verwenden (Gefahr von Reissen oder Löchern)
- keine Gleitmittel mit Öl verwenden (Cremes, Body Lotions, etc.) sondern solche auf Wasser- oder Silikonbasis
Beschwerden: HI-Viren befallen die „Steuerzentrale“ des menschlichen Immunsystems, (unter anderem) die CD-4(T-Helfer)Zellen. Im Abwehrkampf gegen das Virus erschöpfen sich die CD-4 Reserven des Körpers allmählich. Gleichzeitig steigt die Produktion der HI-Viren im Körper. (Viral Load).
Nach einer fakultativen, grippeartigen Reaktion kurz nach der Ansteckung verläuft diverse Kampf ohne äussere Zeichen. Die Person erscheint völlig gesund, kann aber andere anstecken. Nach 3-6 Monaten sind im Blut Antikörper (IgG) gegen das Virus nachweisbar (Serokonversion). Wenn Die Zahl der CD-4-Zellen pro Mikroliter Blut unter 500 sinkt, treten oftmals Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Fieber, Hautkrankheiten etc. auf. Von Aids spricht man bei Werten unter 200 CD-4-Zellen pro Mikroliter Blut oder nach mindestens 2 durchgemachten, sog. Aids-definierenden opportunistischen Infekten, z.B. orale Candida-mykose, Kaposi-Sarkom, MAC-Pneumonie und Toxoplasmose. Durchschnittlich 10 Jahre dauert die Zeit von der Ansteckung bis zu Aids, einem Stadium der HIV-Infektion. Irgendwann versagt das Immunsystem und die Person verstirbt an einem Infekt.
Therapie: Sowohl in der Behandlung der opportunistischen Infekte als auch der eigentlichen HIV-Infektion wurden in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte erzielt. Bei den Infekten hat man verschiedene, bis anhin wenig bekannte Erreger genauer erforscht und akute wie vorbeugende Therapieschemata entwickelt. Gegen die HIV-Infektion stehen etwa 20 Medikamente aus 3 verschiedenen Klassen zur Verfügung, die im Baukastensystem kombiniert werden (Kombinationstherapie). Diese Medikamente hemmen die Entwicklung des Virus in verschiedenen Phasen seines Infektionszykluses. Ziel der Behandlung ist, die Virusvermehrung im Körper der Infizierten dauerhaft und möglichst vollständig zu unterdrücken => weniger neu produzierte Viren => weniger neu infizierte Zellen => weniger CD-4 Zellschäden.
Schwierig gestaltet sich die Behandlung aus zwei Gründen: Erstens haben Viren von Natur aus eine hohe Mutationsrate, was zu einer Restistenzentwicklung gegen die Medikamente führen kann (und auch öfters führt). Zweitens lassen sich aus dem Baukastensystem nur etwa drei bis vier wirksame Therapien zusammenstellen, von denen jede mit - eher mehr als weniger – Nebenwirkungen (extreme Diarrhö, Lipodystrophie, Neuralgien, Emesis, Pankreatitis etc.) behaftet ist, vor allem in den ersten Wochen bis Monaten. Diese Therapien müssen (noch immer!) nach einem sehr genauen Zeitplan eingenommen werden, auch am Wochenende und im Urlaub, um eben der Resistenzentwickung durch einen konstanten Wirkstoff-Plasmaspiegel möglichst vorzubeugen.
Zur Therapie gehören drei Dinge: Schlechte Immunwerte, eine sorgfältige medizinische Betreuung und ein motivierter Patient.
Weiteres: Nicht zu vergessen sind auch all die sozialen Stigmata, mit denen sich die Betroffenen konfrontiert sehen: Fragen beim Abschluss einer Versicherung oder bei der Stellensuche, Hoffnungslosigkeit und Depression weil sie an einer unheilbaren Krankheit leiden, Versteckspiel mit Bekannten, die nichts von der Infektion erfahren sollen, erschwerte oder nicht erlaubte Einreise in manchen Ländern, um nur einige zu nennen.
HIV-PEP: PEP bedeutet Postexpositionsprophylaxe als eine vorbeugende, zwei bis vierwöchige Behandlung mit einer Kombinationstherapie nach einer möglichen HIV-Übertragung, siehe oben: Risikosituationen. Wichtig ist, dass die Notwendigkeit einer PEP sofort und nicht erst nach zwei bis drei Tagen mit einer Fachperson (was nicht immer der Hausarzt ist!) besprochen wird, am Besten bei einer Aids-Beratungsstelle oder im nächsten Universitätsspital, das auch die nötigen Medikamente vorrätig hat. Die PEP wirkt je besser, je früher damit begonnen wird. Nach 72 Stunden ist es zu spät. Auch Bedenken sollte man die starken Nebenwirkungen und die hohen Preise: die PEP als ‚Pille danach‘ beim gedankenlosen ungeschützten Geschlechtsverkehr ist sehr aufwendig.
Zahlen:
- Das Risiko, sich bei einem Nadelstich mit einer kontaminierten Spritze zu infizieren, beträgt etwa 1:300.
- Das Risiko, sich mit einem HIV-positiven Partner beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr zu infizieren, beträgt für Männer ebenfalls etwa 1:300 (Das Risiko ist für Frauen etwa 3 mal höher, also 1:100)
- Die Chance, dass sich ein Ungeborenes Kind einer HIV-positiven Mutter infiziert, beträgt ohne Vorsichtsmassnahmen 25%.
- Wenn die Mutter eine Kombinationsbehandlung durchführt, mit Sektio (Kaiserschnitt) gebärt und nicht stillt, sinkt das Risiko auf 1-2 %
- Die Chance, sich durch eine Bluttransfusion anzustecken, ist 1:600'000.
- Ein einziger Monat Kombinationstherapie kostet zwischen 1200 und 1500 Franken.
Quellen:
- Behandlungsmöglichkeiten bei HIV und Aids, Ordner der Aids Hilfe Schweiz, 2000
- Die Retroviren: HIV und AIDS, Prof. Dr. med. J. Schüpbach, Vorlesung 474, Wintersemester 2001
- Lets Talk about Health, Gesundheitsbuch für lesbische und bisexuelle Frauen, Aids Hilfe Schweiz, 1999
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Durch Parasiten verursachte Erkrankungen
Name: Pediculus humanis capitis (=Kopflaus), Pediculus humanis corporis (=Kleiderlaus), Phthirus pubis (=Filz-/Schamlaus)
Erkrankung: Pediculosis, Phthiriasis, Lausbefall
Übertragung: Durch engen Körperkontakt (spielende Kinder, Sexualverkehr, etc.) aber auch über Kleidung, Bettwäsche, Badetücher... z.T. abhängig von der Lausart.
Beschwerden: Frauen und Männer: Läuse ernähren sich vom Blut des Wirtes. Symptome sind durch die Bisswunden verursachter Juckreiz, allergische Reaktionen, manchmal bläuliche Flecken und Kratzspuren. Bei genauerer Inspektion sind die Läuse und ihre Nissen sichtbar (Lupe), spezifisch (je nach Art) an Kopf- oder Schamgegend, oder in den Kleidern.
Weiteres: Läuse haben Vektorfunktion (potentielle Krankheitsüberträger, z.B. Borrelia burgdorferi) und sind streng artspezifisch (kein Infekt mit Tierläusen).
Therapie: Gründliche Behandlung mit Lausmittel aus der Apotheke, Behandlung aller Kontaktpersonen, gründliche Hygiene in der Wohnung, täglich Kleider wechseln und bei mind. 60° waschen.
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Name: Scaroptes scabiei, Krätzmilbe
Erkrankung: Scabies, Krätze, Milbenbefall
Übertragung: Die Übertragung kann durch Hautkontakt oder über die Bettwäsche erfolgen.
Beschwerden: Starker Juckreiz im befallenen Bereich (Fingerzwischenräume, Genitalbereich). Die Milben sind mit dem blossen Auge nicht erkennbar. Sie bohren Gänge in die Haut und verursachen kleine Rötungen und Pusteln auf der Haut.
Therapie: Ärztin oder Arzt aufsuchen. Die befallene Haut muss wiederholt mit einem aufzutragenden Medikament behandelt werden und braucht Sorgfalt und Geduld. Bettwäsche, Handtücher und Kleider sind täglich zu wechseln und sollten mit 95 Grad Celsius gewaschen werden.
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Name: Trichomonas aeruginosa
Erkrankung: Trichomonadenbefall
Übertragung: Trichomonaden werden häufig durch sexuelle Kontakte übertragen. Sie können auch via Blase oder Enddarm in die Vagina gelangen oder indirekt, durch gemeinsames Benützen von feuchten Textilien (Handtücher, Waschlappen, Badeanzüge, Unterwäsche) oder feuchten Gegenständen (in Toiletten, Saunas).
Beschwerden: Frauen: Abhängig von der natürlichen Abwehrkraft der Scheide treten milde oder stärkere Beschwerden auf: gelb-grünlicher, schaumiger und übelriechender Ausfluss, Juckreiz. Durch Entzündung der Harnröhre Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen. Entzündung der Vulva und des Vaginaleingangs.
Männer: Es treten Schmerzen beim Wasserlassen und Harndrang auf.
Weiteres: Oft kommen auch Mischinfektionen vor (z.B. mit Gardnerella vaginalis).
Mittel der Wahl: Metronidazol als Tabletten. Während der Behandlung darf kein Alkohol
getrunken werden, weil diese Kombination Erbrechen verursacht.
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Name: Entamöba histolytica
Erkrankung: Amöben-Ruhr
Übertragung: Frauen und Männer: Die Hauptquelle der ausschliesslich fäko-oralen Infektion sind symptomlose Träger. Die Übertragung erfolgt via verschmutztes Wasser, ungekochte (fäkal kontaminierte) Lebensmittel und Früchte und anal-oralen Kontakt.
Beschwerden: Betroffene Frauen und Männer leiden unter wässerigen oder auch dysenterieartigen Durchfällen.
Weiteres: Die Amöbe hat mehrere Lebenszyklusformen, von denen nur eine aus dem Darmlumen in die Darmwand eindringen kann. Der Nachweis erfolgt durch Nachweis der Amöben im Stuhl. Eine Reinfektion ist möglich. Wichtigste Komplikation ist (via Pfortader) ein Befall der Leber mit Abszessbildung. Die Diagnose erfolgt hier vor allem klinisch und ist schwierig.
Mittel der Wahl: Metronidazol
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Name: Giardia Lamblia
Erkrankung: Lambliasis
Übertragung: Die Inokulation erfolgt durch die orale Aufnahme von Zysten der Amöbe in ungekochten Lebensmitteln und kontaminiertem Wasser oder oral-analem Kontakt. Die Zysten überleben unter günstigen Bedingungen mehrere Monate ausserhalb des Wirtes.
Beschwerden: Der Befall ist erst pathogen bei starkem Befall (=der Aufnahme vieler Zysten). Symptome umfassen Malabsorption, Durchfall, Steatorrhoe und uncharakteristische Beschwerden wie Bauschmerzen, Appetitlosigkeit, Erbrechen und gelegentlich Fieber.
Weiteres: Die Diagnose erfolgt durch Nachweis der Erreger im Stuhl. Cave: keine ungeziehlte Behandlung, welche die physiologische Darmflora vernichtet und so eine ungehemmte Ausbreitung der Parasiten fördert.
Mittel der Wahl: Metronidazol, Ornidazol
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Durch Pilze verursachte Erkrankungen
Name: Candida albicans
Erkrankung: Candida-Mykose, Soor; relevant als genitaler Infekt ist die Scheideninfektion.
Übertragung: Mykosen der Scheide werden durch Pilze verursacht, die normalerweise in Scheide und Darm vorkommen. Die Anfälligkeit wird durch Behandlung mit Antibiotika oder Hormonen (Pille) oder durch Krankheiten begünstigt, die das Gleichgewicht des Scheidenmilieus verändern. Ist eine Infektion vorhanden, kann der Erreger durch sexuelle Kontakte übertragen werden, durch direkten Kontakt via Mund, Finger, Penis oder Sex-Toys.
Beschwerden: Frauen: Rötung und Schwellung der Vulva und Scheide mit Juckreiz und Brennen sowie weisslicher oder salbenartiger Ausfluss. Evtl. Schmerzen beim Wasserlassen.
Beim Mann (nur sehr selten, evtl. immundefizient): weniger Beschwerden, Rötung der Eichel mit Pünktchen.
Weiteres: Weitere Infekte sind Neugeborenensoor, orale und ösophageale Candidasis, Haut- und Nagelsoor, Candida-Pneumonie oder –Sepsis mit Befall verschiedenster innerer Organe, jedoch nur bei geschwächtem Immunsystem. Während der Schwangerschaft und bei Diabetes mellitus kommt die Candida-Mykose häufiger vor.
Behandlung: Pilztötende (fungizide) Cremen oder Vaginalzäpfchen werden lokal angewendet. Bei Befall des Verdauungstraktes muss das Präparat auch eingenommen werden. Komplementärmedizinische Behandlungen sind vor allem bei immer wiederkehrenden Pilzinfektionen sinnvoll.
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Quellenangaben:
- Private Tabelle von Dr. Thomas Frey, Zürich
- Let’s talk about Health, Gesundheitshandbuch für lesbische und bisexuelle Frauen, Herausgegeben von der Aids Hilfe Schweiz, 1999
- Mikrobiologie, die ultimative Übersicht, Skript an der Uni Zürich von Matthias Patti, 3. Auflage, 1995
- Mikrobiologie und Immunologie, Margret Oethinger (Hrsg.), Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 9. Auflage 1997
- Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter Verlag, Berlin 258. Auflage, 1998
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Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 6. Oktober 2011 )
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